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„Wer darauf wartet, dass
sich etwas ändert, kann lange warten!“
Coach und Coach-Ausbilder Boudewijn
Vermeulen setzt auf persönliche Veränderung. Der
gebürtige Niederländer lebt und arbeitet in
München. So ungewöhnlich wie seine Vita sind die
Wege, die er als Coach geht.
Die Autorin Gabriele
Ullrich sprach mit Boudewijn Vermeulen über das von ihm
entwickelte Schnellcoaching.
Frage: Herr
Vermeulen, wie verstehen Sie Coaching?
B. Vermeulen: Wenn jemand in einen Zustand
des Stillstands geraten ist, so dass sich in einem oder mehreren
Bereichen seines Lebens nichts mehr tut, dann dient das Coaching dazu,
einen Klienten, wieder in Bewegung zu bringen.
Frage: Woran erkennt man einen
Zustand des Stillstands?
B. Vermeulen: In einem Zustand des
Stillstands ist keine Energie, kein Willen und keine Bereitschaft da
für Veränderungen. Meistens sagt ein Klient im
Stillstand mit leicht depressivem Ton: „Es hat sowieso keinen
Sinn. Ich kann nichts ändern.“ Er fühlt
sich machtlos - als Opfer der Umstände. Was die Klienten
begreifen müssen: Die Einzigen, die etwas ändern
können, sind sie selber. Sie müssen das Heft wieder
in die Hand nehmen. Wer darauf wartet, dass sich etwas ändert,
kann lange warten.
Frage: Sie haben ein Schnellcoaching
entwickelt, das bekanntermaßen in zehn Stunden zu einer
enormen Wirkung führt. Wie sind sie darauf gekommen?
B. Vermeulen: Meine Klienten sollen keine
Zeit verschwenden.
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Zu mir müssen die Klienten
nur viermal kommen. Ich biete eine Informationsstunde und drei
Sitzungen, die je drei Stunden dauern.
Frage: Verlängern Sie bei
Bedarf?
B. Vermeulen: Der Bedarf ist fast nie da.
Frage: „Wir brauchen oft nur einen
anderen Blickwinkel, eine veränderte Wahrnehmung“,
haben Sie einmal in einem Presseinterview gesagt. Was bringt ein
anderer Blickwinkel für Ihre Klienten? Können Sie ein
Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?
B. Vermeulen: Zu mir kam mal ein Manager mit
einem unangenehmen Problem. Er musste einen
wichtigen Mitarbeiter entlassen, der ständig Mist baute. Ich
habe meinen Klienten gefragt: „Können Sie mit der
Kündigung noch 14 Tage warten?“ Das konnte er. Da
habe ich ihm vorgeschlagen, jeden Tag darauf zu achten, was sein
Mitarbeiter richtig macht, und ihm das dann auch zu sagen. Nach 14
Tagen kam der Manager wieder und sagte: „Also, ich hab die
Hausaufgaben gemacht. Ich hab sofort gesehen, was mein Mitarbeiter
richtig macht. Ihm das zu sagen, ist mir dermaßen schwer
gefallen. Aber ich habe es ihm gesagt.“
Das ist eben die Sache: Wir lenken
unseren Blickwinkel meistens auf das, was uns stört und sind
darauf fixiert. Diese selektive Wahrnehmung verhindert
Veränderung. Mein Klient hatte durch das Schnellcoaching einen
anderen Blickwinkel und konnte dadurch die Kündigung
seines Mitarbeiters vermeiden.
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Interview zum Ausdrucken im
PDF-Format
Frage: Sie behaupten, dass sich die
meisten unserer Probleme auf eine so genannte kritische Beziehungen
zurückführen lassen?
B. Vermeulen: Ich
hab die Erfahrung gemacht, dass sich die Probleme meiner Klienten
meistens in Zusammenhang bringen lassen mit einer Person. Zu dieser
Person haben die Klienten eine kritische Beziehung, man könnte
auch sagen: eine heikle oder brisante Beziehung. Das heißt,
ein Problem entzündet sich an einer bestimmten Person bzw. in
einer bestimmten Beziehung. Die Schwierigkeit ist nur, meine Klienten
kommen zu mir mit irgendeinem Problem. Sie fühlen sich
ausgelaugt, lustlos, leiden unter Kopfschmerzen und
so weiter. Sie wissen gar nicht, dass ihr Problem mit der Beziehung zu
einer Person zu tun hat. Sie sagen: „Alle meine Beziehungen
sind in Ordnung.“ Nur: Sie haben ständig Krach mit
Ihrem Chef, mit Kunden, mit Ihrer Frau, Ihrem Sohn, Ihrer Tochter.
Frage: Woran
kann ich eine kritische Beziehung erkennen?
B. Vermeulen: Wenn
Sie aus der Arbeit kommen oder beim Spazierengehen häufig
innere Dialoge mit einer anderen Person führen, deutet das auf
eine kritische Beziehung. Die inneren Dialoge sind ein Zeichen
dafür, das da irgend etwas ist. Dann wäre es
natürlich wünschenswert, zu schauen, ob man die
Qualität dieser Beziehung ändern kann. Das geht
eigentlich immer. Ich habe dazu ein eigenes Modell entwickelt, mit dem
ich in meinen Schnellcoachingsitzungen arbeite, kurz: das
Vermeulen-Analyse-Modell (VAM).
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Frage: Welchen Ansatz verfolgen Sie in
Ihrem Analyse-Modell?
B. Vermeulen: Ich arbeite nicht
zielorientiert, nicht lösungsorientiert und nicht
problemorientiert. Meine Erfahrung ist: Ziele verengen den
Blick. Wer ein bestimmtes Ziel erreichen will, ist nicht mehr offen
Frage: Wo sehen Sie die Schwachpunkte
eines problemorientierten Coachings?
B. Vermeulen: Ein
Coach, der problemorientiert arbeitet, wird das Problem mit dem
Klienten von allen Seiten beleuchten.Das kann dazu führen,
dass sich sowohl Coach als auch Klient im Problem verstricken, verirren
und nur äußerst schwer aus dem Problemkreis wieder
herausfinden. Für mich ist das Problem immer nur ein
Symptom.
Frage: Wenn ich
mit einem Problem zu Ihnen käme, würde mein Problem
während des Schnellcoachings gar keinen Raum erhalten?
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B. Vermeulen: Das
Problem darf sein, aber nur im beschränkten Maße. Es
wird nicht ‚gefeiert’. Ich arbeite im
Schnellcoaching nach meinem Analysemodell (VAM). Dazu gehört
eine spezielle Gesprächstechnik, die mein Freund und Kollege
Werner Plate die „Kunst des Zuhörens“
nennt. Ich diskutiere nicht mit meinen Klienten, mache keine
Bemerkungen, gebe keine Ratschläge. Ich stelle nur wenige
Fragen. Ich stelle die wenigen Fragen an den Klienten, die er sich
selber nicht stellt.
Frage: Ist ihre
Gesprächstechnik, die unkonventionelle Art des Fragenstellens
und Zuhörens das A und O des Schnellcoachings beziehungsweise
des Vermeulen-Analyse-Modells?
B. Vermeulen:
Nein. Ich kombiniere im VAM, also im Schnellcoaching und auch als
Coach-Ausbilder grundsätzlich mehrere Elemente miteinander.
Ich arbeite mit der eben er-
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wähnten
Gesprächstechnik, mit dem Element des Zeichnens und ich
beziehe den Körper in den Beratungsprozess ein. Im Laufe einer
Coaching-Sitzung zeichnen meine Klienten und Klientinnen bei mir
mehrere Bilder. Sowohl am Anfang einer Sitzung als auch am Ende und
immer dann, wenn ich merke, dass die Klienten sich an einem Wendepunkt
befinden.
Frage: Unter dem Element des
Gesprächs und des Zeichnens kann ich mir etwas vorstellen. Wie
sieht die Einbeziehung des Körpers in den Beratungsprozess aus?
B. Vermeulen: Die Körperarbeit lehrt
meine Klienten, ihren Körper wahrzunehmen und ihre subjektiven
Empfindungen zu benennen. Und das ist eben so ein Problem in unserer
Kultur. Es geht eigentlich nie darum, sich und seinen Körper
zu spüren. Es dreht sich alles darum, von außen
einen guten Eindruck zu
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machen. Das ist bei uns der
ganz wichtige Faktor. Deswegen treiben Leute Sport, deswegen
unterziehen sie sich Schönheitsoperationen. Mein Ansatz ist
die Wahrnehmung von Innen, das subjektive Wahrnehmen ohne zu bewerten.
Frage: Wie kann ich mich subjektiv
wahrnehmen, ohne zu bewerten?
B.
Vermeulen: Das ist
ganz einfach. Wenn ich zum Beispiel mit Klienten
Fußübungen mache, dann geht es nie darum, ob ihre
Füße sich gut oder schlecht anfühlen
sondern darum, wie sie
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es subjektiv
fühlen. Ich frage meine Klienten: “Welche Zehen
könnne Sie identifizieren? Ist der eine Fuß
wärmer oder kühler als der andere Fuß?
Fühlt sich der eine Fuß schwerer an als der
andere?”
Frage: Meine Füße
fangen jetzt an zu kribbeln.
B. Vermeulen: Genau. Das ist
natürlich. Das ist ein Zeichen von Lebendigkeit. Ich komme zum
Leben. Ich komme in Bewegung. Wenn ich meinen Körper in diesem
Moment wahrnehme,
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wie er ist,
dann bin ich im Präsenz, dann bin ich nicht mehr in meinen
Gedanken und Problemen gefangen über die Vergangenheit oder
gefangen in meinen Gedanken über die Zukunft. Ich bin offen,
in Bewegung. Ich bin raus aus dem Zustand des Stillstands. Und das
führt unter anderem mit dazu, dass sich alles ändert,
verändert. Die Klienten sind in Bewegung gekommen und bleiben
meistens auch in Bewegung.
Das Interview
erschien 2005 in der Münchener Zeitschrift
“topfit”.
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